
Illustration @ by UNTLD. 2005 (from JB. Issue #03)
Hard Wax, located in Berlin’s Kreuzberg district, a pilgrimage for music enthusiasts and vinyl record nerds from all over the world, is aged 20 years now. Founded in 1989, the Hard Wax record store and distribution has been shaping the world of Techno music ever since, and especially building up Berlin as the “Techno-City”. From the outset, they left all doubt about vinyl as a threatened medium, yet a few CDs can be found, they still offer almost only vinyl records today. I know Hard Wax for more than a decade now and it is very impressive over and over again, how the store, the distribution, the inner circle of artists around Hard Wax, is always acting like a magnet for the electronic music community in Berlin. Plus all constant visitors from Europe and the rest of the world. All know where to find the store hidden in the second backyard, an industry loft on the fourth floor somewhere in Kreuzberg, it is hardly imaginable that someone is entering by accident. And not to forget to add the huge net of people that are connected through the internet store, they make a 50% of the bargain.
In a city of constant change, and a very ephemeral yet sometimes superficial electronic music scene, Hard Wax is something like your secure and reliable friend, or the parents to a child … This sounds pathetic to you? Well, it’s not! Some things just mean a lot. Hard Wax has always been up front, pushing things with relevance, putting out statements, believing in new creations and art. In times of clearly audible moanings by the music industry, their courage has always been paying off and they stay unique. I know most of the staff and the musicians around Hard Wax, which is always inspiring. To go there is yet almost a thrill as it was during the first visits. As Torsten recently said about not getting rid of the feeling he had, coming to the store in his early days before he started working there, “being a client, a fan, a Techno-freak” (by the way a nice article in Tagesspiegel, in German). Being friends with some of them, having had countless DJ nights together, the unforgettable time at the small Club Waldohreule and so on has established a special relationship for me.
So, thanks for the possibility of spending all my pocket money for a good reason and making me nervous almost every week when the news arrive! The anniversary party is going to be a very epic night … Below you find the line-up of the party and an interview I did with Torsten Pröfrock, the store manager and buying agent, in 2005 (after their 15th anniversary) that was published in JB. #03 (German language). You can download the PDF right here.
Sa. 05.12.2009 | 20:00 | 3 FLOORS | WMF Club, Berlin
HARD WAX XX
Live Floor:
Substance / MMM / Soundhack / DJ Pete & Sleeparchive / Deuce (Marcel Dettmann & Shed) / Electric Indigo (DJ) / Deuce (DJ)
Killasan Floor:
Sascha/ Torsten / Mark Ainley / Mark Ernestus w/ Tikiman and Friends / René Löwe / Anthony ‘Shake’ Shakir / Errorsmith / Modeselektor Gernot
Special Interest Floor:
Shed / Prosumer / Soundstream & Prosumer (voc)
HARD WAX — Be Different Or Die!
16 Jahre Hardwax (Artikel aus: JB. Magazine #03, 2006)
Mark Ernestus, Gründer des Plattenladens Hard Wax, und Moritz von Oswald gelten als visionäre Produzenten, die einen gewaltigen Einfluss auf die Entwicklung der elektronischen Musik in den 90er Jahren genommen haben. Was die beiden auf ihren Labels wie Basic Channel oder Maurizio machten, ist nach wie vor seiner Zeit dermaßen voraus und eigentlich auch in den nächsten zwanzig Jahren noch nicht erfunden. Der Sound, der einzigartige Charakter, das Erscheinungsbild, das Mystifizieren ihrer Existenz: Das alles trug dazu bei, schon vor dem ersten Erscheinen ein Klassiker zu werden. Das sind auch die Faktoren, die ich seit jeher sehr stark mit dem Hard Wax verbinde. Diese mystische, sehr verschleierte Erscheinung in Form von Vinyl von unsichtbaren Musikern, deren Präsenz hauptsächlich in Form ihrer Musik gegenwärtig war oder ist, dieses subtil oder auch so ganz und gar nicht Politische, die Distanz zu plakativem Pop. Zugegebenermaßen war es auch tatsächlich so, dass ich ziemlich aufgeregt war, als ich den Laden das erste Mal betrat. Muss so Mitte der Neunziger gewesen sein, der Laden war schon in dem Loft am Paul-Lincke-Ufer, dort wo sie bis heute zu finden sind. Ich war mir absolut sicher, dass die hier nicht mit Wasser kochen und irrte schüchtern umher, wusste auch nicht so
recht, wonach ich suchen sollte. Stand ja auch meist nichts drauf auf den Labels …
Dieser Besuch war definitiv etwas Besonderes für mich, ich befand mich an einem Ort, an dem Techno vielleicht sogar mehr stattgefunden hat als in irgendeinem bedeutenden Club. Ein recht unspektakuläres Erlebnis, was aber das Bild manifestierte, was sich für mich bis heute kaum verändert hat; nämlich eine große Nische an Labels zu finden, die Starkult und das Konzept des Musikersubjektes abschaffte, Labels, die Musik mit großer Motivation verfolgen und präsentieren. Darüber hinaus hat Hard Wax einen bemerkenswerten Backstock, besonders für Musik aus den USA, der sich natürlich durch die lange Beziehung und Verbindung des Ladens mit den damaligen Epizentren des Techno- und House-Geschehens begründet. Aber nicht nur das, sehr gepflegt wird die 7“-Kultur mit Singles aus Jamaika, der Herr Soundhack zum Beispiel zeichnet für das Disco-Classics-Fach verantwortlich, und … nein, hätte ich nicht vergessen, auch elektronische Musik europäischer Herkunft, dabei ganz besonders aus Deutschland und England, findet hier eine Menge Platz.
Ein paar Fragen im Briefwechsel an Torsten Pröfrock …
Zunächst gib mir doch bitte noch mal ein kleine Geschichtsstunde über das Hard Wax. Wann begann das alles? Wer war dabei …
Offizieller Gründungstag des Hard Wax ist der 1. Dezember 1989. Das “alte” und auch sehr beengte Hard Wax befand sich in der Reichenberger Str. 75 in Kreuzberg bis zum Oktober 1996. Ursprünglich handelte es sich, den Interessen der Betreiber und dessen Freundeskreis entsprechend, um einen so genannten „Black Music“-Laden. Es wurde Funk, Soul, Hip-Hop, Reggae und ganz wenig House verkauft. Allerdings gab es für House (ich glaube, Techno hat man damals noch nicht gesagt) eine Versorgungslücke, die dem sich ausbreitenden Dance-Fieber hemmend gegenüber stand. Das fiel zusammen mit einem generellen Interesse an der „neuen“ Musik „House“ auch unter den Betreibern und in der „Szene“ im Allgemeinen. Wichtige DJs (Motte, Jonzon, Rok – damals noch aufstrebend und Rokki geheißen –, Tanith – der ja eher vom EBM/New Beat kam, aber schon immer dogmatisch-undogmatisch war –, Terrible – damals noch Jörg – usw.) waren die treibende Kraft, in dem sie die Nachfrage schufen (oder selber hatten), welche das Hard Wax sehr bald in einen houseorientierten Laden verwandelte. Diese Aufbruchstimmung, zusammen mit der Herangehensweise des Betreibers und Eigners Mark Ernestus, der Sachen grundsätzlich „richtig“ macht, führten zum Aufbau eines sehr tief gehenden US-House/Techno-Sortiments, welches bis heute den Ruf des Hard Wax begründet, ein Platz für Platten zu sein, die man nicht an jeder Ecke findet. Mark nutzte die günstigen Umstände, um direkte Kontakte zu den Produzenten in New York, Chicago und Detroit aufzubauen und knüpfte ein feines Netz kleiner und verstreuter Anbieter durch seine persönliche Präsenz und verbindlich Art auf mehreren Reisen. Spätestens während des Jahres 1991 verschwanden die Funk-, Soul-, Hip-Hop- etc. -sortimente und Hard Wax wurde zu einem Katalysator der Dance Revolution (wie man damals sagte). Ich selbst bin seit Ende 1990 Kunde und seit 1994 Angestellter. Der erste Hard-Wax-Besuch war ein Desaster (fiese Camo-Typen, laute Krachmusik und nicht gefunden, was man kennt und nicht getraut zu fragen …). Die erste im Hard Wax erworbene Platte war Earth People „Dance“.
Durch Mark Ernestus ist der Laden auch zu so etwas wie der entscheidenden Verbindung Berlin–Detroit oder auch Chicago geworden, neben dem Tresor – oder wie heißt es oft: „Achse Berlin–Detroit“.
Durchs Marks Einsatz bei der Etablierung direkter Kontakte zu Labels, die keinen Vertrieb, aber aus seiner Sicht Potential hatten, war der Laden schnell eine gute Adresse für den US-House- und –Techno-Sound. Der Begriff Achse (den ich ehrlich gesagt gar nicht mag, weil ich mir sicher bin, dass er in diesem Sinne verwandt Wurzeln im 3. Reiche hat (Anm. von D.: Der Mann hat natürlich recht, der Begriff kommt von der „Achse Berlin–Rom“ und bezeichnet die Verbindung zwischen Hitler und Mussolini und wurde von Mussolini geprägt. Die Achse wurde später noch auf das faschistische Regime in Japan erweitert. Der Begriff ist im übrigen auch die Vorlage für George Bushs Achse des Bösen … sag ihm das und herzliche Grüße) … geht meines Erachtens eher auf die Marketingstrategen vom Tresor zurück. Dimitri Hegemann hat aber schon Kontakte zu Jeff Mills noch aus den Zeiten des Atonal-Musikfestivals. Aus Sicht der Detroiter war Berlin eine wichtige Musikstadt, weil essentielle Alben wir Göttschings E2-E4 oder jenes von Liaisons Dangereuses aus ihr kamen. Für Detroit standen damals die frischen Label (der aus jetziger Sicht 2. Generation) wie Underground Resistance und Plus 8, die in den Clubs der Stadt und insbesondere im Tresor eine unglaubliche Resonanz hatten. Das machte dann die ersten Bookings für die Detroiter möglich.

Basic Channel schuf wohl die Grundlage für Legendenbildungen, die durch das Hard Wax über die Jahre so auftauchten. Welche fallen dir ein … oder kannst du bestätigen? Und „Sleeparchive“ ist dann ja die jüngste typische Hard-Wax-Legende, oder?
Hier bin ich nicht sicher, wie Du die Frage meinst. Wenn Du auf den Hang zum anonymisieren von Veröffentlichungen anspielst, so war die initiale Idee, Laden- und Labelgeschäfte strikt und auch in der Wahrnehmung des Publikums zu trennen. In einer Art Reaktion auf die späten 80er war es außerdem Konsens unter den Produzenten, von denen nicht wenige seit den späten 70ern/frühen 80ern durchaus erfolgreich waren, dass ein Verschwinden der Person hinter einem oder mehreren Projekten der popmäßigen Vermarktung vorzuziehen ist. Ich finde es nachvollziehbar, dass man nicht unbedingt was zu sagen hat oder etwas mitteilen will. Die wenigsten haben die Nerven, nicht aufzustehen und „Hier!“ zu rufen, wenn es um die Frage nach dem „Wer war das?“ bei einer „guten“ Platte geht. Je weiter die Kreise sind, die eine Platte zieht, desto dringender wird der Wunsch des Publikums, näheres über die dahinter stehende Position zu erfahren, was für mich im Übrigen überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Dies sind die Ausnahmen, in denen Anonymisierung zum Hype beiträgt. Vielleicht war es ja doch „Ritchie“, der die Sleeparchives gemacht hat? Die Auflösungen der Legenden sind meistens so fade, das nicht sie, sondern nur die Legende an sich im kollektiven Gedächtnis bleiben. Bei welcher Legende darf ich die Auflösung in Erinnerung bringen?
Das Wort Legende wollte hierbei nicht allzu wörtlich genommen werden, auch nicht das Anonymisieren oder die Auflösung eines „Rätsels“ ist mir hier wichtig. Ich meine dabei aus meiner subjektiven Betrachtung als Kunde schlicht die „legendäre“ Erscheinung einer Platte/eines unsichtbaren Musikers – so eine Hard Wax-Platte eben. Mir fällt da Sähkö aus Finnland ein. Seit einiger Zeit tauchen da ja Repressings auf und unveröffentlichtes oder bis dato nicht auf Vinyl gepresstes Material. Da gibt es doch eine ganz persönliche Beziehung zu diesem Label, oder?
Wenn ich Dich richtig verstehe, geht es um die Veröffentlichungen, die durch den Laden auftauchen und manchmal eine gewisse Relevanz in unserer Mikroszene entfalten, richtig? Die Möglichkeit, die letzten fünf Prozent der Agenda selbst zu setzen, ist nicht nur für die Außenwahrnehmung wichtig, sondern trägt auch im Wesentlichen zur Befriedigung bei, die man aus einem Angestelltendasein in einem Plattenladen ziehen kann. Ich meine, dass wir im Laden natürlich durch die Angebote des „Marktes“ getrieben sind, also die allgemein zirkulierenden Veröffentlichungen usw. anbieten „müssen“, um zu leben. Wir haben zusätzlich aber die Möglichkeit, bestimmte Veröffentlichungen zu unterstützen bzw. überhaupt zu ermöglichen. Das von Dir angesprochene Sähkö-Label ist sicher ein „Hard-Wax-Klassiker“, da wir deren Platten seit dreizehn Jahren immer wieder und auf weite Strecken (unfreiwillig) exklusiv anbieten.
Gerade in der Anfangszeit, also in den frühen 90ern, gab es bestimmte, jetzt zum Hintergrundrauschen gehörende Labels wie z.B. UR oder Axis, mit einer gewissen Kontinuität nur im Hard Wax. Viele Leute halten es für eine hervorragende Eigenschaft der Techno-House-Szene, dass die Veröffentlichungen rar sind oder sogar bewusst klein gehalten werden. Dies ist nur in der Ausnahme wahr. Mit einem Label wie UR handeln wir seit sechzehn Jahren. Wir verkaufen die erste UR, die es nach wie vor unverändert gibt, immer noch. Im Pop- oder Schlagerbereich würde man von einem „Evergreen“ reden. Vieles vom Legendären um das Hard Wax herum resultiert einfach daraus, dass nicht betriebswirtschaftliche Entscheidungsgrößen allein zählen, sondern dass auch das Produkt an sich zählt. Es ist wichtig, dass wir alle Musikfanatiker sind, die nie wirklich satt sind. Dass wir uns nach langer Zeit immer wieder für auch neue (tanz-)musikalische Phänomene begeistern können und – mit unterschiedlicher Intensität – auch immer noch gern ausgehen. Ohne Resonanz im Publikum geht das natürlich nicht, aber wir unterfordern unser Publikum eben nicht notorisch. Das Publikum ist mit uns durch die Veränderungen gegangen, und auch wir werden vom Publikum geprägt. Man macht keinen Laden gegen das Publikum. Erfolgreiche „Hard-Wax-Platten“ haben immer etwas Extremes und Spezielles. Dies müssen sie aber auch, da wir diese Platten sonst nicht durchsetzen könnten. Ich denke an Projekte wie Errorsmith, Soundhack oder MMM, Sleeparchive oder Soloaction, bis hin zu bestimmten Planet-E/Carl-Craig-Produktionen. Es kursiert so viel „gefährliches Halbwissen“ über „Musikmarketing“, aber die Grundregel „Be different or die“ hat offenbar niemand auf dem Zettel.
Eine persönliche Beziehung zu den Musikern, deren Arbeit wir auch manchmal vertreiben, ist oft die Voraussetzung, um zusammenzuarbeiten. Solch eine Struktur ist in ihrer Größe begrenzt. Zudem ist die Musik oft zu speziell, um für ein weiteres Publikum interessant zu sein. Hard Wax wird sicher nicht der nächste „Hype-Vertrieb“. Anderseits gibt es meines Erachtens keine fünf weiteren Institutionen in unserer Szene, die über eine solche, zeitmäßige Kontinuität verfügen.
J. Grabowski, Oktober 2005
Download PDF: HARD WAX – Be Different Or Die!
Hardwax
Soundhack
Electric Indigo
Tikiman
Sleeparchive
Errorsmith
Modeselektor
Prosumer
Shed
Marcel Dettmann
Soundstream

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